PIECE DESCRIPTION: "INERTIA - Remembering the Holocaust" Choreographie & Künstlerische Leitung Karola Lüttringhaus ‚INERTIA’ beginnt mit einem stillen Gedenken derer die im Zuge der Judenvernichtung und durch die Grausamkeiten des Dritten Reiches starben. Alle Performer bringen Kerzen an den vorderen Bühnenrand. Sie setzen die Kerzen ab und gehen zum oberen Bühnenrand und stellen sich mit dem Rücken zum Publikum in einer Reihe auf. Unter ihnen sind Tänzer und Schauspieler, Kinder und Erwachsene im Alter von 8 bis 65 Jahren. Die Stimme Hitlers ertönt und deren Gewicht erdrückt die Menschen; unter der fühlbaren Last beugen sie sich. Das Stück trägt uns nun zeitlich zurück zu den Anfängen des Hitler Regimes. ‚INERTIA’ ist aufgebaut auf Augenzeugenberichten der Holocaust Überlebenden Bronja Merlin und Alfred Schnog, die mit in die Proben einbezogen wurden. Ebenso wurden Photos aus der Zeit als Vorlage für Handlung und Kostüme benutzt. Es sind traurige Bilder, Bilder die wir alle schon einmal gesehen haben, wie die Frau, die mit einem Schild, das man ihr umgehängt hat, das sie zur Hure, zum Rassenschänder und Volksfeind denunziert, durch die Strassen getrieben wird. ‚INERTIA’ ist voll mit persönlichen Geschichten, wie die der Frau, die sich entschließt, lieber durch die Hand der Geliebten zu sterben, als durch die Gaskammern. Auch eigene Erlebnisse unserer Großeltern wurden mit in das Stück eingeflochten, der Tod des Ehemannes oder die alles überwältigende Angst oder die sich total verändernde Wirklichkeit, in der alles Private ausradiert und das gesamte Leben zur öffentlichen Angelegenheit wird. ‚INERTIA’ spricht von Machtlosigkeit aber auch von Hoffnung und Zukunft und es will das Publikum warnen, dass es heute wie damals möglich ist, unsere heile Welt an Hass und Angst zu verlieren und dass wir niemals sicher sind vor unserer eigenen Monstrosität oder vor der Ungeheuerlichkeit der Anderen. Deshalb wollen wir uns erinnern und uns selber hinterfragen, unsere Schwachpunkte ebenso erkennen wie unsere Stärken. ‚INERTIA’ richtet sich an uns alle, egal welcher Nationalität wir sind oder welcher Religion wir angehören, denn der Genozid ist ein menschliches und kein regionales Problem. Die Akteure bewegen sich in Bahnhofs-, Arbeitslager-, oder in Straßenszenen, in abstrakten und tatsächlichen Situationen. Stilistisch ist das Stück eher dem Genre des Films als dem des Tanzes anverwandt. Alles spielt sich ab in warmen, braunen und dunklen Tönen, in die eine eisige Kälte einschneidet. Die Hektik nimmt graduell zu und das Licht der Hoffnung verebbt langsam. Das Stück verläuft chronologisch vom Beginn, bis hin zur Massenvernichtung in den Gaskammern. Der Engel des Todes zieht über das Land und nimmt alle bis auf einige wenige mit sich. ‚INERTIA’ spricht alle an und keiner kann sich ihm entziehen. Die Sprache ist der Tanz aber es ist in dem Sinne kein traditionelles Tanzstück; man muss nicht den Tanz lieben oder ihn verstehen, denn die Bilder sprechen für sich. ‚INERTIA’ ist kein didaktisch historisches Stück. Es ist vielmehr eine emotionale Darstellung unserer Reaktionen zu den Geschichten der Überlebenden, eine Darstellung unserer Eindrücke von dieser Zeit und unserer Unfähigkeit, die damaligen Geschehnisse zu begreifen. Es spricht von unserem Entsetzen, dass Menschen sich so Feind sind, dass sie einander auszuradieren versuchen. ‚INERTIA’ spricht von unvorstellbaren Gräueltaten, doch vieles geschieht in der Vorstellungskraft des Zuschauers und das macht das Stück mitunter noch beängstigender, da es uns sowohl unsere eigene Phantasie und Fähigkeit zur Gewalt aufzeigt, als uns auch in die Rolle des Opfers versetzt. ’INERTIA’ wurde durch Künstler Residenzen an der University of North Carolina Wilmington und der University of Nevada Las Vegas in Auftrag gegeben und gefördert. Anlässlich der „2008 Holocaust Days of Remembrance“ wurde ‚INERTIA’ dann in Wilmington, NC, USA in seiner Gesamtlänge erfolgreich uraufgeführt und hoch gepriesen. Auszüge des Stückes wurden von der University of Nevada, Las Vegas zu mehreren Gelegenheiten in Las Vegas aufgeführt und werden auch noch in diesem Jahr in Korea zur Aufführung kommen. *** Stellungnahme der Choreographin Ich habe gehofft, mit ‚INERTIA’ ein Stück zu schaffen , welches die Menschen berührt, welches ihnen eine Zeit in Erinnerung ruft, die nicht vergessen werden darf und die uns daran erinnert, dass Völkermord noch heute eine traurige und erschreckende Realität ist. Es gibt überall auf der Welt noch Antisemitismus, Rassismus und Hass. Kriege gehören zu unserem Alltag. Wenn ich durch die Straßen Berlins gehe, begegnet mir eine multikulturelle und aufgeschlossene Stadt - aber das Gleichgewicht ist verletzlich und es zu erhalten, sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Nichts ist selbstverständlich - Nichts erhält sich von selbst – und das gilt bei Weitem nicht nur für Deutschland, sondern für alle Länder, alle Völker, alle Menschen. Wir müssen uns selber hinterfragen, uns beobachten und kritisch betrachten und wir müssen auf das Gute in uns vertrauen und es weitergeben an Andere. In den USA wurde ‚INERTIA’ extrem positiv aufgenommen und fand Unterstützung der Holocaust-Überlebenden, was mich aufatmen lässt, denn ein solches Stück zu inszenieren ist nicht leicht. Man will nicht bagatellisieren, verfälschen oder falsch verstanden werden, nicht verärgern und auch nicht beleidigen, Schaden anrichten oder gar Schmerzen bereiten. Ich wollte das Thema aufarbeiten und es ansprechen und so habe ich es getan und die Reaktionen der Zuschauer haben mir gezeigt, dass ich den Nerv des amerikanischen Publikums getroffen habe. *** Premiere: May 3rd, 2008, Kenan Auditorium, UNCW, NC Dauer: 60 Minuten Lumina News Review Original Cast Artistic Director/Choreographer: Karola Luttringhaus Produktions Assistenz:Jennifer Raine Kostel Taenzer: Janelle Tatum Eggleston , Andrea Lieske, Jill B. Ware, Sarah Emery, Karola Lüttringhaus, Jennifer Raine Kostel Schauspieler: Kate Tsoleas, Matthew Winner, Annabelle Lewis, Alisa Rhonemus, Keely Kathleen Williams, Katelyn Rodinario, Thurman Burgess, Luke Nemchik Musik: Auszüge aus: Master Chorale of Washington Chamber Singers ‚Holocaust Cantata’ (Auszüge), Auszüge aus Reeden von Adolf Hitler, Chris Mandra, unbekanntes Osteuropäisches Folkslied gesungen von Richard Kaplan, Maurice Ravel, Shlomo Carlebach, Giovanni Felice Sances, Gitale und Goldale Malavsky, Franz Liszt, Phillip Glass, Rhan Small, Joe Morgan, Antonio Vivaldi gesungen von Phillippe Jaroussky, Gaetan LeBoeuf (Auszug), Deutsches Folkslied gesungen von Maria Ivogün. Musik-Kollage erstellt von Karola Lüttringhaus. Dauer: 55 Minutes Copyright: alban elved dance company & Karola Lüttringhaus This free script provided by JavaScript Kit
alban elved dance company/KAROLA LUTTRINGHAUS Berlin - New York City - North Carolina albanelved@albanelved.com copyright: alban elved dance company/Karola Luttringhaus - all rights reserved [mad duck productions]